Mongolei-Reisebericht

Aufführung der Zauberflöte in der Oper zu Ulan Bator

Frau Langer aus der Kita "Sonnenblick" berichtet über ihre Reise (2004) in die Mongolei.

Mit recht gemischten Gefühlen fuhr ich im September 2004 mit einer Kollegin aus unserer Einrichtung in ein Land der Extreme für uns. Extreme definierten wir zu diesem Zeitpunkt nicht nur auf die klimatischen Bedingungen , sondern auch auf die Weite des Landes , auf die völlig anderen Kulturen und Lebensweisen bezogen.

Landschaft Mongolei

Durch vorrangegangene Besuche in unserer Kindertagesstätte waren wir etwas mit den benannten Bedingungen vertraut. Sie aber nun selbst zu erleben, löste bei uns viel Spannung aus. Wir waren einfach neugierig auf dieses Land mit seinen Menschen und Kulturen anderer Art. Ein Leben in der Steppe fern von jeder Zivilisation konnten wir uns so, aus unserer Perspektive des komfortablen Lebens nicht vorstellen.

Französisches Jurtecamp in der Wüste Gobi

Nach einem Zwischenstop in Moskau und einem langem Flug landeten wir in Ulaanbaatar. Schon aus der Luft beeindruckte uns das Land mit seiner rauen weiten Natur und den uns an lachenden weißen Zipfel der Jurten. Bekannte Gesichter aus Gesprächen in unserer Kindertagesstätte empfingen uns am Flughafen. Frau Solsaja und ein Dolmetscher begleiteten uns in das Hotel und stimmten uns auf unser bevorstehendes Programm für diesen Tag ein.

Hängebrücke in der Nähe des Tempels von Dsuun mod

Gefühle der Vertrautheit machten sich bei uns breit bei den bekannten Gesichtern und der sofort übergreifenden Freude des Widersehens. Die Fahrt ins Hotel zeigte schon einmal , dass dieses Land sich im Umbruch befindet. Da steht eine Jurte neben einem gerade fertiggestellten einzugfähigen Haus umgeben von einem provisorischen Zaun aus unterschiedlichen Materialien. Dürre Weiden für das Vieh am Rande der Stadt, ausgefahrene oder ausgespülte unwegsame scheinende Straßen führen in die Stadt. Am Wegrand aber immer freundliche lachende Menschen.

Mädchenchor Steppenmädchen der Deutsch-Mongolischen Schule in Ulan Bator

Mit einem typischen mongolischen Essen begrüßte uns als erstes der Schulleiter einer deutsch-mongolischen Schule Herr Dr. Gelegjamts. Auch er war für uns ein bekanntes Gesicht und überraschte mich sehr damit, dass er sich an unsere Einrichtung und mich als Leiterin gut erinnern konnte. Damit war es der erste Tost, der ausgesprochen wurde, auf einen interessanten Aufenthalt in diesem Land mit guten Freunden.

Beeindruckend erhielten wir Einblick in die pädagogische Arbeit an dieser Schule. Der mongolische Mädchenchor sang zur Begrüßung deutsche und mongolische Lieder. Mit einer Stadtrundfahrt und dem Besuch des Klosters Gandan erlangten wir erste geschichtliche Einblicke.

Tempelanlage in Dsuun mod

Der Abend endete für uns in einer gemütlichen Runde mit Frau Benedukt, Frau Solsaja, unserem Dolmetscher und anderen mongolischen Freunden bei einem Austausch von ersten beeindruckenden Gedanken und Gefühlen über dieses Land. Frau Benedukt, eine erfolgreiche Geschäftsfrau einer Saft – und Spirituosenfabrik , brachte uns in dieser Runde die Menschen dieses Landes etwas näher. Kinder und deren Armut, Bildung und die weites des Landes mit dem Leben als Nomaden, Sorgen des Aufbaus der Stadt, Schaffung von Arbeitsplätzen, Studien – und Lehrstellen.

Am darauffolgenden Tag sollte dies durch den Besuch von mongolischen Kindertagesstätten noch lebendiger werden. Wir hatten seit 2003 einen lockeren Kontakt zu der Kita Nr. 157 und freuten uns nun auf die Kinder und Mitarbeiterinnen. Mit etwas Zurückhaltung, Scheu und Neugierde empfingen uns die Kinder und deren Erzieherinnen. Mit einem Blick erfassten wir in welchem Reichtum doch unsere Kinder in unserer Kindertagesstätte „Sonnenblick“ lebten.

Naadamfest der Polizei von Bayangol

Große dunkle erwartungsvolle Kinderaugen blickten uns an und brachten uns ein sehr liebevolles Programm nahe. Der Austausch kleiner Geschenke gegenseitig ließ dann rasch etwas das Eis schmelzen. Wir erfuhren unter welchen Voraussetzungen und Anstrengungen hier pädagogische Arbeit geleistet wurde. Völlig neu und überraschend zugleich für uns war, dass die Mitarbeiterinnen hier in den Einrichtungen auch Waisenkinder betreuen oder die Kinder aus der Weite der Steppe in den Einrichtungen längere Zeit übernachten.

Budda-Altar

Die weiteren Tage zeigten uns ein Leben in der Jurte mit dem dazu gehörigem Vieh. Für uns gehörte auch dazu einmal die so berühmte gegorene Stutenmilch zu kosten. Mit einem gemütlichen mongolischen Volkloreabend und Abendessen in einer Jurte mit viel mongolischer Gemütlichkeit, umgeben mit einem Birkenwald außerhalb der Stadt, fanden die ersten Tage ihren Abschluss in der Mongolei. Für uns ging es dann erst einmal weiter nach China. Ein Land anderer Art, anderer Extreme.

Bauern mit ihrem Yak

Wir haben in diesen Tagen Freunde wieder gefunden neue aber auch dazu gewonnen. Viel Herzlichkeit, Freundlichkeit und Wärme lernten wir zu erfahren bei all den Problemen und Sorgen, die diese Menschen haben. Bescheidenheit und Zufriedenheit mit dem was sie haben und doch noch mit vollem Herzen mit Freunden bereit sind zu teilen.

Lange bewegten uns die dunklen, teilweise traurigen Kinderaugen, die uns in den Kindertagesstätten anschauten. War es das Fremde, was da für sie nicht greifbar war oder doch mehr ein Gefühl der Einsamkeit? Viele Fragen bleiben für uns nach dieser Reise offen. Gern würden wir diese Reise wiederholen wollen und damit von unserem Wissen oder Reichtum auch mehr abgeben wollen.

Eines wiederholte sich bereits für uns zu Beginn des Jahres 2005. Der deutsch mongolische Mädchenchor aus der Schule unter der Leitung von Martin Bahrenberg besuchte uns in Großziethen auf seiner ersten Reise durch Deutschland. Dies sollte ein Anfang sein für weitere intensivere Kontakte zu den Menschen dieses Landes.