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Wohnen, wo andere abheben: Selchow auf der Suche nach einer Zukunftsstrategie

Gehen oder bleiben, das war erneut die zentrale Frage beim zweiten Ortsteilgespräch, das im Rahmen des INSEK-Prozesses am gestrigen Abend in Selchow stattfand. Einmal mehr zeigte sich, die Bewohner*innen in dem zwischen Start- und Landebahn des Flughafens BER gelegenen Dorf wollen dort auch weiterhin wohnen, wenn es denn tatsächlich eine solche Perspektive gibt. Ob dem so ist, konnte auch die Videokonferenz am gestrigen Abend nicht vollends klären. Das mit dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept beauftragte Büro SÖR empfahl, die für den Ort im Jahr 2011 erstellte Masterplanung zu verwerfen und unter Beteiligung der Bürger*innen neu zu erstellen. Es gelte gemeinsam eine neue strategische Entwicklungsperspektive als Wohn- und Gewerbestandort zu entwickeln.

Die damalige Planung sah aufgrund der Flughafennähe und stark eingeschränkten Entwicklungsmöglichkeit in dem Ortsteil eine vollständige Transformation der noch bestehenden Wohnbebauung hin zur gewerblichen Nutzung vor. Im Laufe des INSEK-Prozesses wurde jedoch deutlich, dass zumindest der Teil der Bewohner*innen Selchows, die sich bislang an den Ortsteilgesprächen beteiligt hatten, einer Umsiedlung ablehnend gegenübersteht.

Rund ein Dutzend Selchower hatten am gestrigen Abend die Gelegenheit genutzt, sich direkt in den Prozess einzubringen und ihre Wünsche zu äußern. Dies waren gemessen an der Einwohnerzahl rund 7 Prozent und damit deutlich mehr als etwa in der vergangenen Woche in Großziethen. Dort war zwar mit rund 90 Teilnehmer*innen eine neue Rekord-Beteiligung erzielt worden, im Vergleich zur Einwohnerzahl waren es mit rund einem Prozent aber weniger. Auf der anderen Seite blieb offen, ob auch die übrigen rund 160 Bewohner*innen Selchows die Ansichten ihrer Vertreter*innen teilen. Moderator Michael Steinke sprach von einer gewissen schweigenden Masse, die es auch abzuholen gelte.

In die neue Masterplanung sei nach Auffassung der mit dem INSEK beauftragten Stadtplaner eine Bedarfsanalyse zu integrieren. Dazu müssten alle Bewohner*innen nach ihren Zielen und Wünschen befragt werden. Die Gemeinde werde zwar auch in Selchow weiter ihre kommunalen Pflichtaufgaben erfüllen und niemanden aus dem Ort vertreiben, der dort nicht wegwolle, Investitionen seien aber nur möglich, wenn es aus der Bevölkerung ein entsprechendes Votum für den Verbleib gebe, so Steinke.

Die Teilnehmer*innen der Videokonferenz ließen daran kaum Zweifel. Sie wollen bleiben, aber auch in ihrem Wunsch durch die Gemeinde unterstützt werden. Konkret müsse das vorhandene Wohnbaupotenzial, etwa durch die Sanierung leerstehender Gebäude, genutzt und auch das Umfeld mit Parkplätzen und Spielflächen entwickelt werden, hieß es. Auch eine verbesserte Bus-Anbindung in die Nachbarorte wurde gewünscht.

Gefragt nach ihren prioritären zentralen Vorhaben wurde denn auch das Thema bezahlbares Wohnen mit Abstand am häufigsten von den Selchowern benannt, gefolgt von dem Bereich Freizeit und Kultur, der die Entwicklung von Spiel- und Sportflächen als auch Kultur- und Freizeiteinrichtungen umfasst. Bedeutsam für den Ortsteil, der nur wenig eigenes Potenzial für die Entwicklung solcher Einrichtungen besitzt, sei hierbei die Schaffung von Angeboten in den Nachbarortsteilen sowie die Orts- und Landschaftsplanung am Flughafen, die gemeinsam mit der Flughafengesellschaft angegangen werden müsse.

Zu den Maßnahmen mit der höchsten Priorität, so zeigte das abschließende Abstimmungsergebnis, gehörten für die Selchower neben der angesprochenen Masterplanung die partizipative Planung, also die weitere Beteiligung der Bewohner*innen, etwa durch regelmäßige, jährliche Ortsteilbegehungen und eine Verfestigung des INSEK als gesamtgemeindliches Strategiekonzept.

Das nächste Ortsteilgespräch findet am kommenden Freitag in Waßmannsdorf statt. Beginn ist um 18 Uhr. Alle Informationen stehen hier zu Download bereit:

Informationen zum INSEK

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