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INSEK: Schönefeld zwischen Wachstum und Wehmut

Nachdem Kiekebusch am 26. März 2021 im Rahmen des Insek-Prozesses in die zweite Runde der Bürgerbeteiligung gestartet war, wurden die virtuellen Gespräche gestern im Ortsteil Schönefeld fortgesetzt.

Die Videokonferenz in Schönefeld erreichte zwar mit knapp 30 Teilnehmern eine deutlich geringere Beteiligungsquote als das Online-Gespräch des im Süden gelegenen Ortsteils, entscheidend ist die Quantität der Teilnehmer für den Prozess aber nicht. So hatten viele Schönefelder bereits im Vorfeld der Konferenz die Möglichkeit genutzt, sich schriftlich zu beteiligen und ihre Ideen und Wünsche per E-Mail zugesandt.

Angesichts der aktuell sehr dynamischen Entwicklung, vor allem in Schönefeld Nord, wurde so auch im Schönefelder Ortsteilgespräch über Zukunftsperspektiven vor dem Hintergrund der Wohnbauentwicklung diskutiert. Schönefeld hatte und hat in relativ kurzer Zeit einen enormen Bevölkerungszuwachs zu verzeichnen. So stieg die Zahl der Einwohner in dem Ortsteil in den Jahren 2014 bis 2020 um fast 2000 auf heute rund 5200 Einwohner an. Anders als andere Ortsteile verfügt Schönefeld noch über Entwicklungsflächen, auch das Problem der Überalterung stellt sich aktuell nicht. Überwiegend zieht es Familien in den Norden der Gemeinde. Der Anteil der Bevölkerung im Alter von 18 bis 43 Jahren ist vergleichsweise hoch. Schönefeld als aufstrebender Ort besitze Potenzial und Chancen. Ziel könnte es nach Ansicht des Büros SÖR sein, den Ortsteil als urbanes Zentrum der Gemeinde zu entwickeln.

Der positive Blick auf die Entwicklungschancen wurde jedoch nicht von allen Teilnehmern geteilt. So wurde unter anderem die Sorge geäußert, dass zu viel Augenmerk auf die Quantität, also die Anzahl der Neubauten, als auf die Qualität, etwa des Wohnumfeldes, gelegt wird. Es fehle an sozialer Infrastruktur, Gastronomie, Einkaufsmöglichkeiten, medizinischer Versorgung und Dienstleistungen. Auch gäbe es keine Plätze, keine Treffpunkte – weder für alt noch für jung. Dies führe zu Frust, teilweise zu Wegzug. Dadurch wiederum würde eine Mietpreisspirale in Gang gesetzt. Mit jeder Neuvermietung stiegen die Mietpreise, hieß es. Das Büro SÖR bestätigte, dass bei der sozialen Infrastruktur nachgebessert werden muss. Normalerweise werde diese realisiert, bevor der Einwohnerzuwachs da ist. Dies gelte es bei künftigen Planungen besser zu machen. Auch sollte es Ziel sein, die zugezogenen Neu-Schönefelder ins gesellschaftliche Leben zu integrieren.  

Angeschnitten wurden auch der Bereich Verkehr, eine der vom Büro SÖR ausgemachten Schwächen im Ort. Gewünscht wurden Konzepte für mehr E-Mobilität als auch intelligente Verkehrslösungen.

Im Anschluss an die Diskussion hatten die Schönefelder Gelegenheit, im Rahmen einer Umfrage ihren Ort mit Schlagwörtern und Merkmalen zu beschreiben. Besonders häufig wurde Schönefeld dabei mit dem Begriff Flughafengemeinde assoziiert. Der Ort sei im Schatten von Berlin gelegen, besitze aber Entwicklungspotenzial. Thematisiert wurde auch die Trennung der Siedlung durch die Bahn. Die Schienen fungierten als Barriere zwischen altem Dorfkern und den sich neu entwickelnden Quartieren im Schönefelder Norden. Ein Gegensatz, den es zu vereinen gilt, sei die dynamische Entwicklung auf der einen Seite und die entspannende Natur sowie die noch vorhandenen Grün-Flächen auf der anderen Seite, die es zu erhalten und zu gestalten gilt,

Welche Prioritäten setzen die Schönefelder?

In einer weiteren Umfrage bestimmten die Schönefelder die aus ihrer Sicht prioritären Handlungsfelder. Hier konnten maximal drei genannt werden. Die meisten Stimmen bekamen die Bereiche Umwelt, Freiraum, Klima sowie Kultur, Freizeit und Tourismus, gefolgt vom Themenschwerpunkt Verkehr. Das Thema Wohnen/Wohnbauentwicklung spielte für die Konferenzteilnehmer daneben nur eine untergeordnete Rolle.

Viele Vorschläge zur Entwicklung Schönefelds waren bereits in der Auftaktveranstaltung genannt worden und sind auch im aktuellen Ortsteilgespräch nochmals thematisiert worden. Darunter der Ausbau des Versorgungsangebotes. Gewünscht werden mehr gastronomische Einrichtungen, Einzelhandel, Apotheken und ein Angebot an verschiedenen Dienstleistungen. Zu den weiteren Wünschen zählt der Ausbau des Radwegenetzes. Konkret wurde ein Radweg nach Rudow als auch die Nutzung des Mauerweges als Rad- und Gehweg genannt. Per Mail gingen beim Büro SÖR Vorschläge ein, die in den auch in der Konferenz als prioritär genannten Bereich Kultur, Freizeit und Tourismus fallen, wie etwa eine Begegnungsstätte, Spielplätze, ein Outdoorpark und ein Freibad. Bezüglich der Wohnbauentwicklung wurde eine Begrenzung der Neubebauung auf drei Geschosse gefordert. Daneben wurden Konzepte bzw. Maßnahmen zur Verkehrssicherung und Müllentsorgung gewünscht. 

Wie geht es jetzt weiter?

Noch besteht die Möglichkeit, sich mit weiteren konzeptionellen Vorschlägen in den Prozess einzubringen. Diese werden gesammelt und bewertet. Im Weiteren sollen ein Leitbild überlegt und Handlungsschwerpunkte festgelegt werden, aus denen letztlich entsprechende Schlüsselprojekte und –maßnahmen abgeleitet werden. Je nach Situation soll das ergänzte und überarbeitete Konzept im Sommer bzw. Herbst nochmals in den Ortsteilen vorgestellt und diskutiert werden. Auch Politik und Verwaltung werden in die Diskussion einbezogen.

Noch bis zum 31. Mai 2021 haben alle Ortsteil-Bewohner*innen die Möglichkeit, ihre Ideen und Umsetzungsvorschläge an das Büro SÖR zu übermitteln. Vorschläge können per E-Mail an insek-schoenefeld@stadt-oekonomie-recht.de eingereicht oder auch im Rathaus bzw. beim Ortsbeirat abgegeben werden.

Nächstes Ortsteilgespräch in Waltersdorf:

Das nächste Ortsteilgespräch findet am kommenden Donnerstag, 15. April 2021, um 17.30 Uhr in Waltersdorf statt. Anmeldungen zur Online-Konferenz sind weiterhin per e-Mail an insek-waltersdorf@stadt-oekonomie-recht.de möglich.

Alle Infos zu diesem, bereits erfolgten und noch kommenden Videositzungen gibt es hier. Bitte folgen Sie dem entsprechenden Link zur jeweiligen Veranstaltung.

 

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