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60 Jahre nach Bau der Mauer: Gedenkstunde auf dem Mauerstreifen

„Der 13. August ist kein Tag wie jeder andere im Kalender! Er ist zwar kein offizieller Gedenktag, aber er ist ein Tag, mit dem viele Menschen etwas verbinden. Ein Tag, an dem sich viele Menschen daran erinnern, dass wir nicht immer in einem so weltoffenen und freien Land gelebt haben, wie es heute in Deutschland der Fall ist.

Der 13. August ist der entscheidende Tag, an dem sich vor 60 Jahren das Leben für Millionen Menschen verändert hat. Schlagartig. Im wahrsten Sinne des Wortes: von einem Tag auf den anderen. Es war der Tag, an dem das DDR-Regime die deutsche Teilung besiegelt und in Stein gegossen hat.

Der 13. August war damals der Tag, an dem die Welt fassungslos auf die DDR und auf Ost-Berlin geblickt hat. Niemand konnte sich ernsthaft vorstellen, dass ein Land seine Bürger einsperrt, indem es eine kilometerlange Mauer baut. Und dann nach und nach ein komplexes System von Sicherungsanlagen herum errichtet.“

Mit diesen Worten begann Bürgermeister Christian Hentschel seine Rede anlässlich des 60. Jahrestags des Mauerbaus am 13. August 1961. Zu einer gemeinsamen Gedenkstunde hatte man sich auf dem ehemaligen Mauerstreifen zwischen Großziethen und Lichtenrade versammelt. Dort, inmitten sommerlich blühender Wiesen, steht leuchtend orange eine Erinnerungs-Stele an den Großziethener Horst Kullack. Dieser war bei einem Fluchtversuch am Silvesterabend des Jahres 1971 von Grenzsoldaten schwer verletzt worden und starb knapp drei Wochen später an seinen Verletzungen. Im Alter von nur 23 Jahren.

Bürgermeister Hentschel erinnerte in seiner Rede an die Geschichte von Horst Kullack. Aber er berichtete auch von Eberhard Schulz sowie von Christel und Eckhard Wehage. Auch diese drei ließen auf Schönefelder Grund und Boden ihr Leben im Zusammenhang mit Fluchtversuchen aus der DDR gen Westen. Es waren Schilderungen von Lebensläufen, bei denen den Anwesenden trotz heißer Temperaturen, ein kalter Schauer über den Rücken lief. Denn Schuld an diesen Toden war nur die Mauer und die Teilung Deutschlands. Im Gedenken an die in Schönefeld Verstorbenen sowie an alle Opfer an der Berliner Mauer legte der Bürgermeister gemeinsam mit weiteren Anwesenden Blumen nieder.

Zum Ende seiner Rede kam Christian Hentschel dann wieder in der Gegenwart an und mahnte, die Geschichte nicht vergessen zu dürfen:

„60 Jahre nach dem 13. August 1961 ist die Grenze, die es hier einst gab, zum Glück Vergangenheit, Vor fast 32 Jahren öffneten sich Mauern und Sperranlagen und seitdem wuchs Deutschland und ganz Europa in einem 30-jährigen Prozess zusammen. Auf eine friedliche und demokratische Art und Weise, auf die in den 1960er Jahren niemand einen Pfennig gewettet hätte. Deshalb gilt unsere Dankbarkeit heute u.a. den Aktiven der Bürgerrechtsbewegung der DDR wie auch der Evangelischen Kirche, die einen so wichtigen Freiheitsraum geboten und Mut gemacht hat. Die Friedliche Revolution aus den 1980er Jahren empfinde ich noch heute als ein großes Wunder. Ohne dieses Wunder wäre ich nie nach Großziethen gezogen und Jahre später Bürgermeister dieser wunderbaren Gemeinde geworden.

Die Mauer ist mittlerweile Geschichte. Aber vergessen dürfen wir sie nicht. Wir müssen uns immer wieder mit ihrer Geschichte auseinandersetzen und wir müssen den nachwachsenden Generationen immer wieder davon erzählen. Gerade weil das alles mittlerweile schon so weit weg erscheint.“

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