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Diskussion um Bahnhof Schönefeld: Anstrich reicht nicht

Erst schlossen sich die Toiletten, dann die Türen zu den übrigen Einrichtungen des Schönefelder Bahnhofs. Seitdem sich die Deutsche Bahn vor sechs Jahren entschieden hat, den Bahnhof stillzulegen, dümpelt das Gebäude vor sich hin und wird immer mehr zum Ärgernis. Die bevorstehende Flughafeneröffnung nutzte die Fraktion Die Linke der Schönefelder Gemeindevertretung daher am heutigen Montag zu einem Vor-Ort-Termin, um gemeinsam mit Vertretern der Politik und der Bahn über die weiteren Pläne in Sachen Bahnhof zu beraten.

1,8 Millionen Euro werde das Land Brandenburg aus einem Konjunkturpaket des Bundes erhalten, von denen Teile auch in den Bahnhof Schönefeld investiert werden sollen, führte Christian Goerke, von der Landtagsfraktion der Linken, in seiner Begrüßungsansprache aus. Der große Wurf sei dies aber nicht, wie eine Anfrage an den Landtag ergeben habe. So seien neben einem neuen Farbanstrich unter anderem neue Sitzbänke geplant. Insgesamt würden 220.000 Euro investiert. Das sei reine Kosmetik, erklärte Goerke.

Es reiche nicht, in einem stinkenden Gang neue Farbe an die Wand zu bringen, erklärte auch der Vorsitzende der Linken-Fraktion der Schönefelder Gemeindevertretung, Wolfgang Katzer, der damit den Nerv der weiteren anwesenden Gemeindevertreter traf. „Wir müssen dafür sorgen, dass sich die Menschen hier wohlfühlen“, sagte etwa Rainer Block (SPD). Mit dem Bahnhof setze sich die Blamage der Inbetriebnahme des Flughafens fort, kritisierte er.

Der Bahnhof müsse ansprechend und barrierefrei gestaltet werden, es braucht mehr Orientierung für die Reisenden und vor allem neue Toiletten, hieß es. Joachim Trettin, Konzernbevollmächtigter für die Region Ost und das Land Brandenburg der Deutschen Bahn AG, erklärte die momentane Zurückhaltung mit der Entwicklung des Verkehrs. Das Geld sei zunächst in den neuen Bahnhof am Flughafen BER investiert worden, den die bislang in Schönefeld haltenden Regionalbahnen künftig anfahren werden. Mit Flughafeneröffnung sei Schönefeld verkehrlich gesehen ein reiner S-Bahnhof. Zumindest bis 2025, bis die so genannte „Dresdner Bahn“ fertig gestellt und ein neues Betriebskonzept entwickelt worden ist. Bevor es an die Umgestaltung des Bahnhofs geht oder über einen Abriss und Neubau diskutiert werden kann, brauche es verlässliche Zahlen. Die Bahn wolle daher zunächst eine Verkehrsstudie in Auftrag geben, die sich mit den Verkehrsströmen in Schönefeld befasst.

Die Bahnhofstüren einfach wieder aufzuschließen, sei zudem nicht ohne Weiteres möglich, erklärte Cornelia Kadatz, Leiterin Bahnhofsmanagement der DB Station&Service AG. Allein die Brandschutzertüchtigung koste mehrere Hundertausend Euro. Es sei gut, dass es langsam mehr Klarheit gibt und Ideen besprochen werden, erklärte sie und signalisierte wie Trettin weitere Gesprächsbereitschaft.

Auch die Gemeinde Schönefeld will ihr Mögliches tun. Sie hat ein Gutachten in Auftrag gegeben, dass sich mit dem Umfeld des Bahnhofs befasst. Dieses soll optisch aufgewertet werden, auch sind Fahrradstellplätze(Doppelstellplätze und Fahrradboxen) geplant.

Insgesamt waren sich die Beteiligten der Bedeutung des Schönefelder Bahnhofs als Tor zur Hauptstadt bewusst. Die Anwesenden vereinbarten, das begonnene Gespräch Ende Oktober im Rathaus fortzusetzen.

Vertreter der Politik, Gemeinde und Deutschen Bahn diskutierten über die Entwicklung des Bahnhofs Schönefeld. In einem Punkt waren sich alle einig: So wie es ist, kann es nicht bleiben. Foto: sos

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