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Bürgerinformation: Flughafen diskutiert mit Anwohnern über Fluglärm

Noch ist der Berlin-Brandenburger Großflughafen BER nicht am Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit angelangt. Pandemie bedingt landen und starten dort noch immer deutlich weniger Flugzeuge als möglich. Trotzdem sind die Auswirkungen des zentral in der Gemeinde Schönefeld gelegenen Airports schon heute spürbar. Der je nach Flugroute verursachte Lärm macht den Anwohnern zu schaffen, mal mehr in diesem, mal in jenem Ortsteil.

In der Gemeinde Schönefeld betrifft dies besonders die Bewohner*innen der Ortsteile Kiekebusch, Karlshof und Rotberg. Den Bürgermeister der Gemeinde Schönefeld, Christian Hentschel, erreichen seit Eröffnung des Flughafens täglich neue Zuschriften besorgter und verärgerter Anwohner. Der Bürgermeister nahm die sich häufenden Anfragen und Beschwerden zum Anlass, die am stärksten betroffenen Anwohner zu einem virtuellen Austausch mit der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) zu laden, um die aktuell drängendsten Fragen zu klären. Vor allem, so zeigten bereits die im Vorfeld der Veranstaltung eingereichten Fragestellungen, geht es den Bewohnern dabei um die so genannte Hoffmann-Kurve, Lärmmessungen und Entschädigungsansprüche.

Bei der auch unter dem Label „Kotzkurve“ bekannten Route drehen die Flugzeuge bereits kurz nach dem Start von der BER-Südbahn Richtung Osten in einer steilen Rechtskurve ab. Weil sie anfangs weiter geflogen wurde, als vorgesehen, wurde es auch an Stellen laut, an denen dies nicht oder nicht in dem Maße erwartet worden war. Die Hoffmannkurve stellt aus Sicht der Fluglärmkommission die optimalste Variante dar, um die umliegenden Gemeinden möglichst wenig zu belasten. Allerdings: Wird sie geflogen, tangiert dies vornehmlich die Ortsteile im Schönefelder Gemeindegebiet, weichen die Flieger ab, wird es in benachbarten Kommunen laut. Nachdem etwa easyjet im Spätsommer die Hoffmannkurve vorübergehend nicht flog, hagelte es Protest aus Zeuthen, Schulzendorf und Eichwalde, die sich von dem plötzlich einsetzenden Fluglärm überrollt sahen. Inzwischen ist die Airline zur Ursprungsroute zurückgekehrt. Ändern werde sich daran nach Ansicht der Flughafengesellschaft wohl nichts. Es sei schwierig, in Bezug auf die Gesamtlärmbelastung eine noch optimalere Route zu finden, erklärten die Vertreter der FBB den geladenen Gästen gestern Abend in der gut zweistündigen Videoveranstaltung.

Eine weitere Frage, die die Bewohner*innen bewegte, sind die durch den Flughafen erhobenen Messwerte. 30 stationäre Messstellen sind aktuell im Flughafengebiet installiert, davon je eine in Kiekebusch und Rotberg. Aber stehen sie an den richtigen Orten und spiegeln sie die tatsächliche Belastung auch exakt wieder? Die Anwohner bezweifeln dies und wünschen eine Überprüfung der Messwerte, ausgewiesenen Schutzgebiete sowie Ansprüche auf Schutzmaßnahmen und Entschädigung. Allerdings: Der Flugbetrieb bewegt sich aktuell weit unter dem Radar. Zu Spitzenzeiten wurden in diesem Jahr gerade einmal 50 Prozent der Flugbewegungen im Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten erreicht, das Jahr zusammengerechnet, lag die Auslastung in 2021 bei unter 30 Prozent im Vergleich zum Jahr vor der Pandemie (2019). Eine Überprüfung zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei daher eher kontraproduktiv und würde gegebenenfalls zu einer Eingrenzung der Schutzgebiete, nicht aber zu der gewünschten Erweiterung führen, argumentierte die FBB. Dem geäußerten Wunsch, Messungen an Orten durchzuführen, die aus Sicht der Anwohner aktuell sehr lärmbelastend erscheinen, sei aber möglich. Die FBB versprach, an den benannten Orten vorübergehend mobile Messstellen zu installieren.

Die Online-Diskussion, zu der zunächst Bürger*innen aus den am stärksten vom Fluglärm betroffenen Gebieten in Kiekebusch, Rotberg und Karlshof geladen waren, bildete den Auftakt für eine Reihe weiterer denkbarer Veranstaltungen. In einem ersten Schritt war es dem Bürgermeister wichtig, mit Hilfe der Flughafengesellschaft über die wichtigsten Aspekte zu informieren und gemeinsam ins Gespräch zu kommen. Die Videoveranstaltung, die auch einen gut einstündigen Impulsvortrag der FBB beinhaltet, wurde aufgezeichnet und wird in Kürze allen Interessenten auf der Homepage der Gemeinde zur Verfügung gestellt.

Fragen im Hinblick auf die Veranstaltung oder auch die Fluglärmproblematik können aber auch weiterhin an die Gemeindeverwaltung gerichtet werden (E-Mail: hoffmannkurve@gemeinde-schoenefeld.de). Diese werden zunächst gesammelt. Ziel ist es, die wichtigsten Fragestellungen rund um den Flughafen in einem FAQ zu beantworten. Auch dieser wird im Anschluss auf der Homepage der Gemeinde veröffentlicht.

 

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