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Update: Afrikanische Schweinepest: Landkreis trifft Vorkehrungen

Im von der Afrikanischen Schweinepest (ASP) bedrohten Gebiet des Landkreises Dahme-Spreewald ist bisher noch kein Fallwild gefunden worden. Darüber informierte der ASP-Krisenstab des Kreises, der sich gestern zur Abstimmung der Tierseuchenabwehr auf dem Territorium des Landkreises getroffen hatte. Die aktuelle Seuchenlage werde aber als hochdynamisch eingeschätzt. Dies würden neuerliche Wildschweinkadaver-Funde in und unweit des Kerngebiets in den Landkreisen Oder-Spree und Spree-Neisse bestätigen. Wie berichtet war am 9. September 2020 in der Gemeinde Schenkendöbern nahe der deutsch-polnischen Grenze ein erstes infiziertes Wildschwein gefunden worden. Im Landkreis war daraufhin eine Restriktionszone eingerichtet worden, die nun verstärkt nach Fallwild durchsucht werde. Derzeit seien auf dem rund 10.800 Hektar großen Areal zwei Suchtrupps unterwegs, die von ortskundigen Mitarbeitern der Oberförsterei Lieberose unterstützt würden. 

Privatpersonen, die ein totes Wildschwein entdecken, werden gebeten,  umgehend das Kreisveterinäramt zu kontaktieren und den Fund zu melden. Das Tier sollte auf keinen Fall angefasst werden. Nach Möglichkeit sollten ein Foto gemacht und per Smartphone die GPS-Koordinaten des Fundortes übermittelt werden. Das Veterinäramt ist unter Tel. (03546) 20-1613 oder per E-Mail unter fallwildmeldung@dahme-spreewald.de zu erreichen.


 

12.09.2020

Die Auswirkungen des ersten Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Deutschland haben nun auch das Gebiet des Landkreises Dahme-Spreewald erreicht. Ein infizierter Wildschweinkadaver war am Mittwoch nahe der deutsch-polnischen Grenze in der Gemeinde Schenkendöbern (Spree-Neiße) gefunden worden − das Friedrich-Loeffler-Institut bestätigte den amtlichen Verdacht gestern.

Das beim brandenburgischen Verbraucherschutzministerium aktivierte Landeskrisenzentrum Tierseuchenbekämpfung hat mit den drei betroffenen Landkreisen Spree-Neiße, Oder-Spree und Dahme-Spreewald heute die erste einzurichtende Restriktionszone, ein sogenanntes „Gefährdetes Gebiet“, mit einem Radius von mindestens 15 Kilometern um den Fundort festgelegt. Dahme-Spreewalds Amt für Veterinärwesen, Verbraucherschutz und Landwirtschaft hat nun in Abstimmung mit der unteren Jagdbehörde die ersten Maßnahmen zur Feststellung der Verbreitung und Verhinderung der weiteren Ausbreitung angeordnet. Die Afrikanische Schweinepest ist eine ansteckende Erkrankung der Haus- und Wildschweine. Für den Menschen ist die anzeigepflichtige Tierseuche ungefährlich.

Im Landkreis Dahme-Spreewald umfasst die eingerichtete Restriktionszone die Stadt Lieberose mit den Ortsteilen Goschen, Blasdorf, Trebitz sowie die Gemeinde Jamlitz mit den Ortsteilen Ullersdorf und Leeskow. Für das nun festgelegte Gefährdete Gebiet hat die Amtstierärztin Dr. Jana Guth unter anderem folgende Maßnahmen verfügt:

  • Jagdverbot für alle Tierarten, um möglicherweise infiziertes Schwarzwild nicht unnötig aufzuschrecken
  • Verstärkte Fallwildsuche und Anzeigepflicht von gefundenem Fallwild
  • Kennzeichnung, Probenahme, Bergung und unschädliche Beseitigung aller Wildschweinkadaver erfolgt nur unter hygienischen Bedingungen durch geschultes Personal
  • Anzeige-, Hygiene- und Verbringungsauflagen der schweinehaltenden Personen •Ausfuhrbeschränkung von frischem Schweinefleischprodukten
  • Untersagung von Veranstaltungen mit Schweinen
  • Nutzungsuntersagung für land- und forstwirtschaftliche Flächen (z.B. Ernteverbot für Maisfelder)
  • Leinenzwang für Hunde

Um den Fundort im Ortsteil Sembten in der Gemeinde Schenkendöbern wird zudem eine Kernzone mit einem Radius von mindestens drei Kilometern mit elektrischen Wildschutzzäunen gesichert, bestätigt das Verbraucherschutzministerium. Mit dem durch den Landesforstbetrieb unterstützten Aufbau der Zäune wurde bereits am Freitagnachmittag begonnen. Außerdem wird das Gefährdete Gebiet mit Schildern und Hinweistafeln markiert − die Vorbereitungen hierfür laufen in Dahme-Spreewald-Kreis auf Hochtouren. In dem auszuschildernden Seuchengebiet sind neben Maßnahmen zur Bekämpfung der Tierseuche im Wildbestand auch Maßnahmen im Bereich Hausschweine.

Dahme-Spreewalds Landrat Stephan Loge: „Der Ernstfall war für uns seit Längerem zu erwarten. Wir werden nun in Zusammenarbeit mit unseren Landwirten und Jägern alle notwendigen Seuchenabwehrmaßnahmen ergreifen, um die Afrikanische Schweinepest im Griff zu behalten und die Ausbreitung des Virus zu unterbinden. Unsere zuständigen Fachämter können dabei auf jahrelange Erfahrungen bei der Bekämpfung anderer Tierseuchen sowie regelmäßig Tierseuchenübungen, Schulungs- und Infoveranstaltungen für Jäger und Schweinehalter sowie für die ASP eigens angeschafftes Schutzmaterial zurückgreifen“. In Abhängigkeit der Entwicklungen am Wochenende werde am Montag abschließend über die Einberufung eines ASP-Krisenstabs in Dahme-Spreewald entschieden. 

Seit dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Westpolen im November 2019 wurden die Bemühungen der Gefahrenabwehr besonders in den grenznahen Landkreisen Brandenburgs nochmals deutlich intensiviert. Zu den Schutzmaßnahmen, zu der ein rund 120 Kilometer langer Zaun entlang der deutsch-polnischen Grenze von Frankfurt/Oder bis nach Sachsen zählt, gehören auch die Anschaffung von mobilen Wildzäunen und speziellen Sammel- oder Annahmestellen. Letztere sind flächendeckend vorzuhalten, um im nun eingetretenen Seuchenfall auf kurzen Wegen potentiell infizierte, aufgefundene oder erlegte Wildtiere so schnell und hygienisch wie möglich zwischenzulagern, beproben und anschließend entsorgen zu können. Zu diesem Zweck hat der Dahme-Spreewald-Kreis erst Anfang September ein erstes Kühlhaus auf dem Gelände der Oberförsterei Lieberose in Betrieb genommen. Drei weitere Kühlhäuser, bestehend aus je zwei sterilen Kammern, werden noch bis Monatsende an den Standorten der Landeswaldoberförsterei Hammer, Försterei Wüstemark in Zeuthen und am Gewerbegebiet Luckau installiert.

Das Veterinäramt, Ordnungsamt und die untere Jagdbehörde bereiten sich seit vielen Monaten intensiv auf den stetig herangenahten Ausbruch der Tierseuche vor. Neben etlichen Schulungen, Übungsszenarien und rekordverdächtigen Wildbeprobungszahlen - auch infolge diverser Prämienanreize - sind vielfältige Anschaffungen auf Kreisebene getätigt worden. Dazu zählen neben den Kühlsammelstellen, Bergungsgerätschaften und kilometerlange Schutzzaunsysteme. „Der Schutz von Hausschweinhaltungen sowie des gesunden Schwarzwilds hat oberste Priorität“, sagte Veterinärmedizinerin Dr. Guth. Im Landkreis halten derzeit etwa 250 Tierbesitzer insgesamt rund 20.000 Hausschweine.

Epidemiologischer Hintergrund

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine für Haus-und Wildschweine gefährliche anzeigepflichtige Tierseuche, die fast immer tödlich verläuft und unheilbar ist. Die Früherkennung ist entscheidend für die Abgrenzung des Seuchengebietes und die anzuordnenden Maßnahmen.

Alle verendet aufgefundenen Wildschweine, egal ob als Fallwild oder als Unfallwild, sind daher unverzüglich zu beproben. Der ASP-Erreger der ist äußerst widerstandsfähig und kann in infizierten Tierkadavern noch viele Monate nachgewiesen werden. Um die Ansteckung von gesunden Tieren zu verhindern und somit das Risiko für die Haus-und Wildschweinebestände zu minimieren, werden die Tierkadaver oder die Reste davon anschließend unschädlich beseitigt und der Fundort desinfiziert. ASP ist keine zwischen Tier und Mensch übertragbare Infektionskrankheit (Zoonose) und daher für den Menschen ungefährlich.

In den afrikanischen Ursprungsländern übertragen Lederzecken das Virus der ASP. Diese spielen in Mitteleuropa keine Rolle, informiert das Friedrich-Loeffler-Institut (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit). Hierzulande erfolgt eine Übertragung durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren, die Aufnahme von Speiseabfällen oder Schweinefleischerzeugnissen sowie andere indirekte Übertragungswege. Da das Virus außerordentlich lange ansteckungsfähig bleibt, kann es auch durch Gegenstände wie z. B. Werkzeuge, Schuhwerk, Kleidung oder Transportfahrzeuge weiterverbreitet werden. Deshalb sollten Reisende, Spaziergänger, Pilzsammler und Wanderer sowie Transporteure sich besonders vorsichtig und verantwortungsvoll verhalten und Hygienemaßregeln beachten.

Weiterführende Informationen zur Afrikanischen Schweinepest, wie beispielsweise ein Frage-Antwort-Katalog des Veterinäramtes, gibt es im Internetauftritt des Landkreises Dahme-Spreewald unter www.dahme-spreewald.info/de/asp .

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